Eggenstein
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Eggenstein

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ist heute ein Ortsteil der Gemeinde Eggenstein-Leopoldshafen

Eingliederung: 01.12.1974

PLZ 76344 

Eggenstein im deuschen Genwiki

Eggenstein in Wikipedia

 

Ortssippenbuch Eggenstein

 

Autor:

PLZ / Land:

Umfang:

Format:

Reihe Dt. OFB/OSB:

Verleger:

Preis:

Walter August Scheidle

76351 / Deutschland

1.229 Seiten

DIN A4 Hardcover

00.672

Gemeinde Eggenstein-Leopoldshafen

24,50 €

  

 

Eggenstein, evangelische Gemeinde: Standesbuch online im Generallandesarchiv

1783,1790, 1800-18091810-1825 / 1826-18451846-18561857-1869

 

Eggenstein wurde erstmals 766 in einer Urkunde des Lorscher Codex erwähnt

Eggenstein im Lorscher Codex (QuelleUniversität Erlangen)

 


Geschichte Eggensteins bis zum Großherzogtum Baden (c) 2012 Michael Niederle

 

Nach der ersten urkundlichen Erwähnung Eggensteins am 13.06.766 im Lorscher Codex als Hecinstein folgen bis zum Anfang des 8. Jahrhunderts diverse weitere Schenkungen an dieses Kloster. Die letzte wird am 16.09.809 beurkundet: Harbo und Rudlind gaben alles, das sie in "Eccansten" besaßen, an das Kloster Lorsch.
 

Leider gibt es dann über 300 Jahre keine Dokumente, die die Geschichte Eggensteins beschreiben oder belegen. Erst am 01.07.1160 bestätigt der Bischoff Günther von Speyer (eigentlich Günther von Henneberg - † 16. August 1161) den Erwerb der (keiner Pfarrei zehntpflichtigen) Güter Frechstatt (nicht mehr existenter Ort zwischen Eggenstein und Linkenheim) und Schröck (heute Leopoldshafen) zugunsten des Kloster Maulbronn, das 1147 gegründet worden war. Den Pfarrdienst in Schröck hatte die Pfarrei zu Eggenstein zu versehen. [HStA Stuttgart A 502 U 9]

 

Mit Urkunde vom 17.10.1239 bestätigte Papst Gregor IX. (*um 1167 in Anagni † 22.08.1241 in Rom) die Zuweisung Eggensteins an das Kloster Gottesaue durch den Bischof von Speyer . Eggenstein verlor damit einen Grossteil seiner Gemarkung im Süden. Die Zisterzienser-Mönche von Gottesaue rodeten den Wald und errichteten den neuen Ort Neureut. [GLA Karlsruhe Bestand E 69 Verweisung]
 

In der Folge wird immer wieder von Streitereien zwischen Eggenstein und dem Kloster Gottesaue auf der einen Seite und den Klöstern Maulbronn und Herdt (Hördt) auf der anderen Seite berichtet.
 

Mit dem Kloster Maulbronn und seinen Besitzungen, Linkenheim, Schröck und Frechstatt stritt man sich 1294 um die Schröcker Mühle, weil diese von Eggensteiner Gewässern angetrieben wurde. Man einigte sich schliesslich auf einen jährlichen Betrag, den die Mönche von Maulbronn an das Kloster Gottesaue für die Wassernutzung zu zahlen hatten.
 

Die Streitigkeiten mit dem linksrheinischen Kloster Herdt (Hördt) dauerten Jahrhunderte. Dabei ging es hauptsächlich um die Fischereirechte am Rhein und dessen Seitenarmen. Am 13.09.1336 vereinbarten Nicolaus, der Abt des Kloster Gottesaue und Voltz, der Probst des Klosters Herdt, die gemeinsame Nutzung der Gewässer. [GLA Karlsruhe 38 Nr. 927] Dass der Streit damit nicht aus der Welt war, lässt sich daran ableiten, dass die geistlichen Richter zu Speyer sich am 03.06.1361 veranlasst sahen, den Klöstern und Gemeinden diese Vereinbarung nochmals zu erläutern. [GLA Karlsruhe 38 Nr. 927 a]
 

In der Folgezeit verlor der Klerus immer mehr an Macht, während die Markgrafen von Baden immer mehr an Macht gewannen und Orte und Ämter neu strukturierten. Die Klöster waren immer noch Eigentümer und Grundbesitzer. Oberster Herr war jetzt aber der badische Markgraf.
 

So verwundert es nicht, dass am 28.04.1455 kein geistliches, sondern ein weltliches Schiedsgericht die nach wie vor andauernden Streitigkeiten zwischen Kloster Gottesaue und Eggenstein auf der einen und Kloster Herdt (Hördt) und Neupotz auf der anderen Seite schlichten sollte. Genannt werden Zolt Ludder von Germersheim, Jost, Schultheiß zu Sündern (Sondernheim), Kuntz Brune, Schultheiß zu Knielingen und Hans Rodick zu Knielingen. [GLA Karlsruhe 38 Nr. 928]
 

Auch in Eggenstein gab es zwischenzeitlich Schultheißen. Der erste, der namentlich erwähnt wurde, ist Herrmann Steinbach. Die Urkunde stammt vom 12.09.1412. [GLA Karlsruhe 38 Nr. 922]
 

Ende des 15. Jahrhunderts kam es zu ersten Bauernaufständen in der Markgrafschaft. Joß Fritz (* um 1470; † um 1525) aus Untergrombach war Initiator der Bunschuh-Bewegung am Oberrhein. Völlig untypisch für die damalige Zeit konnte er als Sohn eines Leibeigenen lesen und schreiben. Er forderte die Abschaffung der Leibeigenschaft, die Verteilung der immensen Kirchengüter an das Volk und keinen Herrn außer dem Kaiser und dem Papst.
 

Zwar scheiterte Joß Fritz mit seiner Bewegung zwei mal, aber nach den Pestjahren 1501 und 1502 war die Bevölkerung nicht länger bereit, die Hauptlast zur Aufrechterhaltung der Feudalgesellschaft von Fürsten, Adel, Beamten, Patriziern und dem Klerus zu tragen. Die Folge waren die Bauernkriege von 1523-1526. Es ist nicht bekannt, dass Eggensteiner an den Unruhen beteiligt waren, aber das Kloster Gottesaue, das immer noch die Kirchenherrschaft über Eggenstein hatte, musste schwer leiden. Es wurde von den wütenden Mengen gestürmt, ausgeraubt und verbrannt. Abt und Mönche mussten fliehen.
 

Erst 1547 kehrten die Gottesauer Mönche in das verwüstete Kloster zurück. Geldnot zwang sie zum Verkauf vieler ihrer Güter. So verkauften sie u.a. die verwüsteten Höfe von Frechstatt, das spätestens seit 1479 Altstatt genannt wurde, an den badischen Markgrafen Ernst (* 7.10.1482 in Pforzheim † 6.02.1553 in Sulzburg), welcher davon einen Grossteil für 1500 Gulden den Eggensteinern überließ. Diese trugen die restlichen Hofgebäude ab und machte aus dem Gelände Ackerland, das sogenannte „Altstatter Feld“.

 

Zum 01.06.1556 führte Markgraf Karl II. (*24.07.1529 in Pforzheim †23.03.1577 in Durlach) in Baden-Durlach die Reformation im Sinne Martin Luthers (*10.11.1483 in Eisleben †18.02.1546 in Eisleben) ein. Die Mönche in Kloster Gottesaue weigerten sich beharrlich, den neuen Glauben an zu nehmen. So hob Karl II. das Kloster einfach auf und zog dessen Besitzungen ein. Damit unterstand Eggenstein nach fast 450 Jahren nicht mehr dem Kloster Gottesaue sondern direkt der Markgrafschaft Baden-Durlach. 

 

Der Einführung des Protestantismus folgte in Baden-Durlach und auch in Eggenstein die längste Friedenszeit bis dahin. Diese sollte nach 63 Jahren umso schrecklicher enden. 1618 begann mit dem dreißigjährigen Krieg der längste Krieg der Geschichte. Markgraf Friedrich Georg von Baden-Durlach (* 30.01.1573; † 24.09.1638 in Straßburg) musste sein Land fluchtartig verlassen. Er hatte es gewagt, sich Tilly entgegenzustellen, und wurde in der Schlacht bei Wimpfen (1622) schwer geschlagen. So kehrten 1629 die Gottesauer Mönche wieder aus ihrem Exil im Kloster Ochsenhausen zurück und forderten Ihre Besitztümer, auch  Eggenstein, wieder ein.

 

1630 trat Schweden mit König Gustav Adolf (* 19.12.1594 in Stockholm †16.11.1632 bei Lützen) auf Seiten der Protestanten in den Krieg ein. Der Siegeszug der Schweden führte sie weit nach Süden und die Mönche im Kloster Gottesaue sahen sich erneut zur Flucht genötigt. Das Blatt wendete sich mit der Schlacht von Nördlingen, in der die Schweden schwer geschlagen wurden. Wieder kehrten die Mönche in ihr Kloster Gottesaue zurück. Formell wurde Eggenstein wieder katholisch und unterstand dem Kloster.

 

Aber es herrschte Anarchie. Marodierende Banden zogen plündernd durch das Land und Markgraf Friedrich Georg war im Exil in Basel. 1636 war es so schlimm, dass die Eggensteiner und Schröcker mit ihrem gesamten Vieh im befestigten Durlach Schutz suchten. Der unselige Krieg fand erst 1648 mit dem "westfälischen Frieden" sein Ende. Weite Landstriche waren entvölkert und viele Orte hatten mehr als die Hälfte ihrer Einwohner verloren.

 

Für Kloster Gottesaue und dessen Mönche war es aber das endgültige Ende. Das Kloster und seine Besitztümer fielen erneut an die Markgrafschaft und das rekatholisierte Eggenstein wurde wieder protestantisch. Der Bevölkerung blieb aber wenig Zeit zur Erholung. Nachdem in der Kurpfalz Karl II. (* 31.03.1651 in Heidelberg † 16.05.1685 in Heidelberg) kinderlos verstorben war, erhob der französische Sonnenkönig Ludwig XIV (*5. 09.1638 in Saint-Germain-en-Laye † 01.09.1715 in Versailles), für seinen Bruder, den Herzog von Orleans Erbansprüche auf auf Teile der Kurpfalz. Am 14. Februar 1689 erklärte das Deutsche Reich Frankreich den Krieg - der Beginn der "pfälzischen Erbfolgekriege".

 

König Ludwig XIV.,der zuvor die Pfalz überfallen hatte, ordnete den Rückzug seiner Truppen an. Seinem General Ezéchiel du Mas, comte de Mélac (*um 1630 in Sainte-Radegonde †10.05.1704 in Paris) befahl er die bis dahin unbekannte und Menschen verachtende „Taktik der verbrannten Erde“. Für Eggenstein sollte dieses Jahr zum Trauma werden: sämtliche Gebäude, bis auf die geplünderte Kirche, wurden niedergebrannt. Die Überlebenden in Eggenstein standen vor dem Nichts und versuchten, irgendwie zur Normalität zurück zu finden.

 

Gehöfte wurden wieder aufgebaut oder neu errichtet. Neben Landwirtschaft und Fischerei, die die letzten Jahrhunderte geprägt hatten, entstanden neue Gewerbe. Seit Beginn des 18.Jahrhunderts wurde im Rhein Gold gewaschen, seit ca. 1750 Torf gestochen. 1787 wurde eine Gemeindeziegelei aufgebaut. In der traditionellen Landwirtschaft kamen nach 1700, mit dem Zuzug von Hugenotten und Waldensern nach dem benachbarten Neureut, Tabak, später Kartoffeln und um 1850 Spargel dazu. Dieser Neubeginn machte sich auch in der Bevölkerungsentwicklung bemerkbar. Hatte Eggenstein 1698 noch 211 Einwohner, stieg die Zahl bis 1802 auf stattliche 752.

 

Jahrhundertelang hatte Eggenstein von und mit dem Rhein und seinen Launen gelebt. Die Eggensteiner waren erfahren im Umgang mit dem Hochwasser, aber keiner konnte sich vorstellen, was 1783/1784 passieren sollte. Über ganz Mitteleuropa brach eine extreme Kälteperiode herein. Heute weiß man, das Vulkanausbrüche in Japan und Island für diese Millenium-Katastrophe verantwortlich waren. Vom 24.12.1783 bis zum 21.02.1784 schneite es fast täglich. Die Schneehöhe in der Rheinebene soll 1,50 Meter betragen haben. Nahezu alle Gewässer waren zugefroren. Ende Februar 1784 brachte ein plötzlicher Warmlufteinbruch, begleitet von starkem Regen, die Schneemassen zum Schmelzen. Die rasche und starke Erwärmung führte es in den letzten Tagen des Februars 1784 zum Bruch und Aufstau des vorhandenen Eises. Der Rhein stieg wegen der enormen Schmelzwassermassen, des Eisstaus und der starken Niederschläge sehr schnell. In Köln soll er sie Rekordmarke von 13,55 Meter (also mehr als 10 Meter über normal) erreicht haben. Brücken wurden weg gerissen, Fähren und ufernahe Gebäude zerstört.

 

Der Naturkatastrophe, die als „Jahrhundert-Eisgang“ oder „Eisflut“ in die Geschichte einging folgten wieder militärische Auseinandersetzungen. Während den ersten beiden Koalitionskriegen (1792 - 1801) und den napoleonischen Feldzügen lagerten immer wieder fremde Truppen auf Eggensteiner Gebiet. Insbesondere marodierende, französische Husaren sollen schwer gehaust haben. Entspannung brachte erst der Frieden von Lunéville am 09.02.1801.Zwar verlor Eggenstein seine linksrheinischen Besitzungen, wurde aber dafür entschädigt.

 

In den Folgejahren machte ein anderer von sich reden. Der badische Ingenieur Johann Gottfried Tulla (* 20.03.1770 in Karlsruhe † 27.03.1828 in Paris) hatte sich die Begradigung des Rheins zum Ziel gesetzt. Er wollte damit die Dörfer vor den häufigen Überflutungen schützen, die Schifffahrt verbessern und Krankheiten wie das Sumpffieber bekämpfen. Während er in Knielingen mit seinen Plänen auf massiven Widerstand stieß, wurde der Eggensteiner Durchstich am 20.01.1818 als Volksfest gefeiert.

 

Nachdem Großherzog Leopold von Baden (* 29.08.1790 in Karlsruhe † 24.04.1852 in Karlsruhe) 1830 den Thron bestiegen hatte, wurde am 31.12.1831 eine neue Gemeindeordnung in Kraft gesetzt. War früher der Schulz oder Schultheiß vom Markgrafen, ab 1803 der Vogt vom Kurfürsten und dann Großherzog eingesetzt worden, konnten die Bürger nun selbst ihren Bürgermeister wählen.

 

weiterführende Literatur

Die Badische Revolution von 1848/49: Menschen und Ereignisse in Eggenstein-Leopoldshafen / Steffen Dirschka 1998 [BLB Karlsruhe 99B 50173]

 

Sehr detaillierte Beiträge zur Geschichte Eggenstein-Leopolsdshafens von Steffen Dirschka auf der offiziellen Homepage von Eggenstein-Leopoldshafen